1.600 Photodioden auf einem winzigen Netzhautchip

Anlässlich der Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft e. V. (German Retina Society) am 23. und 24. Juni 2017 in Stuttgart präsentierte die Retina Implant AG im Rahmen der Industrieausstellung Produkte und Therapien, die Menschen helfen, die an Retinitis pigmentosa erkrankt sind. Dazu gehört das subretinale Netzhautimplantat RETINA IMPLANT Alpha AMS sowie das OkuStim System für die Transkorneale Elektrostimulation. Unter dem Titel „Update Subretinales Implantat: Chirurgie und Funktion“ berichtete Prof. Dr. Florian Gekeler, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Katharinenhospital Stuttgart und Wissenschaftler an der Universität Tübingen, der bereits zahlreiche Netzhautchips implantiert hat, im wissenschaftlichen Programm über seine Erfahrungen.


Die Retina Implant AG aus Reutlingen entwickelt und vertreibt ein Netzhautimplantat,
das Blinden, die an Retinitis pigmentosa erkrankt sind, einen Teil ihres Sehvermögens
zurückgeben kann. Das heißt, Patienten konnten beispielsweise Lichtquellen wie Fenster
oder Lampen zur Orientierung im Raum wahrnehmen. Der Mikrochip ist das Ergebnis
der 20-jährigen intensiven Forschungsarbeit von Prof. Dr. med. Eberhart Zrenner
vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Universität Tübingen und dem NMI
Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen. Inzwischen
wird die zweite Generation des Chips, der CE-zertifizierte RETINA IMPLANT
Alpha AMS, in Studien und Vorträgen der Fachöffentlichkeit präsentiert.
Der Netzhautchirurg Prof. Dr. Florian Gekeler, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am
Stuttgarter Katharinenhospital, ist einer der wenigen Spezialisten, die die Implantation
des Chips durchführen. „Es ist eine der herausforderndsten Chirurgien, die es gibt“,
erklärte er in seinem Referat zum Thema „Update Subretinales Implantat: Chirurgie
und Funktion“ im Rahmen der 30. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
(German Retina Society) in Stuttgart. Um zu veranschaulichen, welche Herausforderungen
zu meistern sind, verglich Prof. Gekeler den Mikrochip mit einem Herzschrittmacher:
„In der Herzchirurgie müssen zwei Elektroden im Körper geschützt werden;
das subretinale Implantat besitzt dagegen 1.600.“ Dieser nur etwa 12 Quadratmillimeter
große Chip wird direkt unter der Fovea centralis, der sogenannten Sehgrube im
Auge platziert. Fixiert wird er außerhalb des Auges an der Sclera, der Lederhaut des
Augapfels. Die 1.600 Photodioden sollen dann die durch Retinitis pigmentosa abgestorbenen
Photorezeptoren teilweise ersetzen. Prof. Gekeler berichtete eindrucksvoll
von Patienten, die nach einem Leben in absoluter Dunkelheit, Graustufen unterscheiden
und in Einzelfällen sogar zehn Zentimeter große Buchstaben identifizieren konnten.