Der Sehchip ist bei vielen Netzhautspezialisten bereits anerkannt

EVER Kongress Frankreich: Retina Implant zum aktuellen Status des Netzhautimplantats

(Reutlingen/Nizza) – Dr. Alfred Stett, CTO der Retina Implant AG, präsentierte auf dem diesjährigen EVER Kongress in Nizza, Frankreich, den aktuellen Entwicklungsstand des Netzhautimplantates RETINA IMPLANT Alpha AMS. Das Implantat kann Patienten, die in Folge der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa erblindet sind, einen Teil ihres Sehvermögens zurückgeben. EVER (European Association for Vision and Eye Research) ist eine der bedeutendsten europäischen Forschungsvereinigung auf dem Gebiet der Augenheilkunde.

Die erbliche Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa (RP) führt in vielen Fällen zur Erblindung. Eine Therapie, die alle Formen dieser Erkrankung heilt, ist nicht in Sicht. Elektronische Netzhautimplantate sind bislang der einzige Therapieansatz für blinde RP-Patienten und sind unabhängig von der genetischen Ursache der RP-Erkrankung anwendbar. Das Netzhautimplantat RETINA IMPLANT Alpha AMS wird unter der Retina platziert und kann dort die Funktion von Photorezeptoren ersetzen, die bei blinden RP-Patienten verloren gegangen ist. Die Mehrzahl der blinden RP-Patienten kann mit Hilfe des Sehchips unter anderem wieder Lichtquellen wahrnehmen und lokalisieren und sich dadurch beispielsweise besser im Raum orientieren.

Die für die Objektlokalisation wichtige Augenbewegung bleibt bei der subretinalen Implantation des Sehchips nutzbar und es bedarf keines externen Kamerasystems. Die natürliche Reizweiterleitung bzw. die intakten Strukturen der Netzhaut werden für die physiologische Entstehung der Seheindrücke genutzt; eine zusätzliche Signalverarbeitung ist nicht notwendig. Die chipvermittelte Netzhautaktivität wird über den Sehnerv retinotop korrekt an das Sehzentrum im Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn muss daher Signalpunkte nicht erst wieder neu zuordnen.

Forfait Innovation
Für zahlreiche internationale Netzhautspezialisten gilt das Implantat in Bezug auf Funktion und Sicherheit als anerkannt. In Europa ist das RETINA IMPLANT Alpha AMS seit 2016 CE-zertifiziert. Anfang Juni 2018 erteilte die französische Verwaltungsbehörde für Gesundheitsversorgung „Direction générale de l'offre de soins“ (DGOS) die Zusage für die Kostenübernahme des subretinalen Netzhautimplantats RETINA IMPLANT Alpha AMS. Die oberste französische Gesundheitsbehörde Haute Autorité de Santé (HAS) hatte den „Forfait Innovation“-Antrag der Retina Implant AG auf Nutzenbewertung ihres Implantats bereits im vergangenen Jahr bewilligt. Wenn die nationale Studie erfolgreich abgeschlossen wird, kann das Implantat in den Leistungskatalog der Krankenkassen in Frankreich übernommen werden. Die ersten Operationen werden an der Universitätsklinik Poitiers und der Clinique St Jean in Montpellier durchgeführt. In den kommenden Jahren werden im Rahmen von „Forfait Innovation“ für 40 Patienten mit der degenerativen Netzhauterkrankung RP die Kosten für das Netzhautimplantat übernommen. Die Retina Implant AG trägt die Kosten für eine begleitende Studie, die den Einfluss des Implantats auf das tägliche Leben der Teilnehmer untersucht. „Wir beobachten, dass die implantatvermittelten Wahrnehmungen mit regelmäßigem Sehtraining zunehmend besser werden. Das hat uns dazu gebracht, ein Rehabilitations- und Trainingskonzept auszuarbeiten, mit dem die Patienten schrittweise die Nutzung des Implantats und bestimmte Sehfähigkeiten trainieren.“ erläuterte Dr. Alfred Stett, Vorstand Technologie der Retina Implant AG, im Rahmen des EVER-Kongresses.