Therapie und Implantat: Hoffnung für Patienten mit Retinitis pigmentosa

Retina Implant auf der SightCity: Internationale Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel

(Reutlingen/Kiel/Frankfurt am Main) – Die SightCity, die vom 25. bis 27. April 2018 in Frankfurt am Main stattfand, gilt als größte internationale Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Als Aussteller und als Thema des Expertenforums war die Retina Implant AG sehr präsent, da sie seit 15 Jahren die Behandlung der seltenen erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa erforscht. Dr. Jan Tode, Facharzt für Augenheilkunde an der Klinik für Ophthalmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, erläuterte in seinem Fachvortrag den aktuellen Stand der Behandlungsmöglichkeiten.
Das Netzhautimplantat Alpha AMS des Medizintechnikunternehmens Retina Implant AG aus Reutlingen wurde in langjähriger Forschung von einem Wissenschaftsteam unter der Leitung von Professor Eberhart Zrenner, Universitäts-Augenklinik Tübingen, entwickelt. Es kann blinden Menschen ermöglichen, die aufgrund verschiedener Formen degenerativer Netzhauterkrankungen wie Retinitis pigmentosa (RP) über keine oder nur noch eine sehr geringe Lichtwahrnehmung verfügen, einen Teil ihres Sehvermögens zurückzuerlangen. Seit einigen Jahren werden die Kosten für das Netzhautimplantat von den Krankenkassen getragen.
Die Forschungsarbeiten der Retina Implant AG führten des Weiteren zur Erkenntnis, dass mittels Transkornealer Elektrostimulation der Krankheitsverlauf bei RP-Betroffenen, die noch über ausreichendes Restsehvermögen und Gesichtsfeld verfügen, verlangsamt werden kann. Hierbei können so genannte neuroprotektive Wachstumsfaktoren aktiviert werden, die einen zellerhaltenden Effekt in der Netzhaut bewirken. Dr. Jan Tode, Facharzt für Augenheilkunde an der Klinik für Ophthalmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, erläuterte in seinem Vortrag im Rahmen der SightCity den aktuellen Stand von Implantation und Therapie.
Der Mediziner kennt aus seiner täglichen Praxis im Therapie- und Kompetenzzentrum der Kieler Uniklinik die Leidensgeschichten vieler Betroffener, denn die erbliche Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa ist unheilbar und führt im Endstadium meist zur vollständigen Erblindung. Dr. Tode freut sich daher, dass er durch diese beiden Behandlungsmöglichkeiten sehbehinderten und blinden Menschen Hoffnung geben kann: „Die aktuellen Studienergebnisse1,2 zeigen die Sicherheit und Wirksamkeit der Transkornealen Elektrostimulation. Und mit dem Netzhautimplantat RETINA IMPLANT Alpha AMS3 konnte im besten Fall bei einem blinden Patienten eine maximale Sehschärfe von 0,04 erreicht werden.“ Diese Seheindrücke sind nicht mit normalem Sehvermögen (Visus 1,0) vergleichbar. Aber ein großer Teil der Patienten, denen der Chip implantiert wurde, konnte Lichtquellen oder Bewegungen wahrnehmen und sich dadurch beispielsweise wieder besser im Raum orientieren. Entsprechend groß war das Interesse der Messebesucher am Vortrag von Dr. Jan Tode und am Messestand der Retina Implant AG.

Quelle:
1Schatz et al.: Transcorneal Electrical Stimulation for Patients with Retinitis pigmentosa: A Prospective, Randomized, Sham-Controlled Exploratory Study. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2011; 52: 4485-4496.
2 Schatz et al.: Transcorneal Electrical Stimulation for Patients with Retinitis Pigmentosa: A Prospective, Randomized, Sham-Controlled Follow-up Study Over 1 Year. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2017; 58: 257-269
3 Stingl K et al.: Interim Results of a Multicenter Trial with the New Electronic Subretinal Implant Alpha AMS in 15 Patients Blind from Inherited Retinal Degenerations. Front. Neurosci. 2017; 11:445.