Implantate

Das RETINA IMPLANT Alpha AMS ist ein subretinales Netzhautimplantat  für Erwachsene, die an einer Netzhautdegeneration erblindet sind, wie zum Beispiel Retinitis pigmentosa.
Bei degenerativen Netzhauterkrankungen dieser Art sterben die Photorezeptoren, also die Zapfen und Stäbchen, in der Netzhaut ab. Der Rest des Sehsystems bleibt erhalten. Betroffenen, die maximal noch Lichtscheinwahrnehmung besitzen, kann das Implantat helfen, ein funktionelles Sehvermögen teilweise wiederherzustellen.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass das visuelle System, also auch die Teile des Gehirns, die die visuellen Reize verarbeiten und in ein Bild umwandeln, vollständig ausgebildet sind. Deshalb ist es notwendig, dass die Betroffenen vor ihrer Erblindung über ein ausreichendes Sehvermögen (zum Beispiel Lesefähigkeit) verfügt haben.
Ob Sie für ein RETINA IMPLANT Alpha AMS geeignet sind, muss von einem erfahrenen Augenarzt an einem RI Implantationszentrum  geklärt werden.

 

Trotz der Diagnose Retinitis pigmentosa ist nicht jeder für das RETINA IMPLANT Alpha AMS geeignet. Die notwendige Erstuntersuchung  findet daher in einem unserer RI Implantationszentren  statt. Dort wird geprüft, ob ein Implantat für Sie in Frage kommt. Dazu werden verschiedene Untersuchungen wie die Untersuchungen des Augenhintergrundes (Funduskopie) und der Netzhautschichtung (OCT) durchgeführt.
Weiter haben Sie die Gelegenheit, mit einem unserer Patient Care Manager zu sprechen. Dieser informiert Sie über die Funktionsweise des Implantats, über die Handhabung sowie über Nachsorge und Training. Gemeinsam besprechen wir Ihre Erwartungen und bereiten das anschließende Training individuell für Sie vor.
Hinweis: Die Retina Implant AG bietet keine Diagnose an.

 

Die Sehergebnisse mit dem subretinalen Netzhautimplantat unterscheiden sich von Ihrem früheren, normalen Sehen.
Dennoch wird das Implantat von vielen Anwendern als signifikante Verbesserung wahrgenommen. In einer wissenschaftlichen Studie berichtete 86% der Anwender Licht und Gegenständen besser erkennen zu können. 72% der Anwender beobachteten Verbesserungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens1.
Die Sehergebnisse lassen sich wie folgt beschreiben:

  1. Das Implantat kann (theoretisch, auf der Basis von Berechnungen) einen Visus von maximal 0,07 (20/280) ermöglichen. Der bislang beste erreichte Visus ist 0,037 (20/546) und wurde bei wenigen Personen erreicht. Auch mit Implantat wird die Sehschärfe stark eingeschränkt bleiben.
  2. Auch mit Implantat wird das Gesichtsfeld noch eingeschränkt sein. Das Implantat kann ein Gesichtsfeld von ca. 13° ermöglichen. Das entspricht etwa einem Fenster von der Größe einer CD-Hülle auf Armlänge.
  3. Das Implantat kann die Helligkeiten der betrachteten Gegenstände als unterschiedliche Graustufen wiedergeben. Mit dem Implantat wird kein Farbsehen ermöglicht.
  4. Abhängig von der Stimulationsfrequenz kann es zu einer flimmernden/flackernden Wahrnehmung kommen.
  5. Das Implantat wird nur in einem Auge implantiert. Mit dem Implantat wird kein räumliches Sehen ermöglicht, jedoch kann die Auge-Hand Koordination erleichtert werden.

Die Ergebnisse nach der Implantation des Chips können stark variieren und sind von individuellen Einflüssen abhängig. Ursache ist in der Regel die individuelle Beschaffenheit der Netzhaut. Auch das aktive Training nach der Implantation spielt eine wichtige Rolle für ein möglichst optimales Ergebnis.

[1] Stingl K. et al., Subretinal Visual Implant Alpha IMS – Clinical trial interim report. Vision Research, 2015

 

Das RETINA IMPLANT Alpha AMS funktioniert ohne Kamerabrille. Das Implantat befindet sich im Auge, im Bereich der Schläfe und hinter dem Ohr. Für den Betrieb muss der Anwender lediglich einen sogenannten Transponder  anlegen. Dieser ist ein wenig größer als ein 2-Euro-Stück, grau und flach. Der Transponder wird hinter dem Ohr platziert. Über ein Kabel zum Handgerät wird das Implantat mit Energie versorgt und gesteuert.
In vielen Fällen ist nach der Implantation eine normale Brille hilfreich, um die optimale Sehschärfe zu erreichen.

 

Um eine optimale Abstimmung zu erreichen, müsste der Chirurg die lichtempfindlichen Chips in beiden Augen an den jeweils exakt übereinstimmenden Stellen der Netzhaut platzieren. Dies ist derzeit chirurgisch nicht möglich.

Das Auge muss nach der Operation abheilen und der Körper sich vom Eingriff erholen. Das erste Einschalten findet ca. 4 Wochen nach der Implantation statt.

Ja. Man kann zwar davon ausgehen, dass die ersten Seheindrücke bereits beim ersten Einschalten auftreten. Dennoch sind in der Netzhaut und im Gehirn Lernprozesse erforderlich, um die Eindrücke des Sehens mit Implantat verarbeiten und interpretieren zu können. Aus diesem Grund haben wir ein Trainingskonzept entwickelt, das unsere Implantatanwender auf ihrem Weg individuell begleitet und auch ihre Anforderungen und Vorstellungen berücksichtigt.

Die Behandlung mit dem RETINA IMPLANT Alpha AMS wird in Deutschland in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des NUB-Verfahrens (Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) übernommen. Die behandelnde Klinik muss für jeden Patienten (gleich ob gesetzlich oder privat versichert) einen Kostenübernahmeantragstellen.
Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Außerhalb Deutschlands und Frankreichs besteht keine einheitliche Regelung der Kostenübernahme. Dazu muss das Implantat in den jeweiligen Leistungskatalogen der Krankenkassen oder der nationalen Gesundheitssysteme der EU-Länder aufgenommen werden. Zurzeit arbeiten wir in mehreren EU-Ländern daran, die Kostenübernahme zu erlangen.
Grundsätzlich ist es möglich, auch wenn Sie nicht in Deutschland versichert sind, unser Implantat an einem unserer deutschen Zentren zu erhalten. Dies kann damit verbunden sein, dass Sie selbst für entstehende Kosten aufkommen müssen. Sie können bei Ihrem nationalen Kostenträger einen Einzelfallantrag auf Kostenübernahme für eine Implantation in Deutschland stellen. Hierbei unterstützen wir Sie so weit wie möglich gerne. Details erhalten Sie auf Anfrage .