Peter B.

Wie hat sich der Krankheitsverlauf bei Ihnen geäußert?

Die Diagnose Retinitis pigmentosa erhielt ich im Alter von sechs Jahren. Während der Schulzeit kam es bereits zu ersten Einschränkungen. Der Krankheitsverlauf ist schleichend. Ich konnte meinen Führerschein noch machen und war bis Ende 20 auch mobil. Auf die Nachtblindheit folgte bei mir der Tunnelblick und schließlich schwächte sich auch das zentrale Sehen zunehmend ab. Mit 30 Jahren musste ich meinen Führerschein wieder abgegeben. Mit 45 Jahren war ich komplett erblindet und zwei Jahre später habe ich mich dann für die Implantation des Chips entschieden.

Warum fiel die Wahl auf das Retina Implantat?

Als ich von der Möglichkeit erfuhr, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, etwas gegen die Krankheit tun zu können. Eine aktive Rolle zu übernehmen und wieder Zugriff auf die Zukunft zu bekommen. Davor wurde mir immer gesagt, dass man gegen RP nichts tun kann. Neben dem emotionalen Gewinn, hat mich auch die Zukunftsfähigkeit des Chips überzeugt. Zum jetzigen Stand darf man keine Wunder erwarten. Aber ich glaube daran, dass die medizintechnische Entwicklung hier in die richtige Richtung geht. Für mich war es eine große Motivation, Teil des wissenschaftlichen Fortschritts zu sein. Ich wollte für mich etwas erreichen und ich wollte mich einbringen. Diese Erwartungen haben sich erfüllt.

Wie verlief die Implantation und die Zeit danach?

Die Implantation war sehr gut vorbereitet. Alle Beteiligten haben eine große Ruhe und Sachkenntnis ausgestrahlt. Das hat meine Frau und mich beruhigt. Die Operation ist allerdings nicht zu unterschätzen. Davor hatte ich noch gescherzt, dass ich ja nur schlafen muss, während andere arbeiten. Aber die ersten 24 Stunden nach der OP haben mich schon geschlaucht. Vier Wochen später wurde der Chip dann aktiviert.

Was hat das Implantat bei Ihnen bewirkt?

Nach der Aktivierung hatte man mir in einem Studio zwölf weiße Buchstaben auf schwarzem Hintergrund vorgelegt. Ich erkannte alle zwölf am Stück. Fehlerfrei. Da war ich sehr stolz. Faszinierend war auch, dass ich Linien wieder erkannt habe. Der Chip half mir, mich im Dunkeln wieder besser zu orientieren. Vor allem bei starken Lichtquellen und Kontrasten. Das geht allerdings nicht ohne Training. Man muss lernen, mit den Informationen umzugehen, die der Chip bereitstellt. Der Nutzen des Chips liegt deshalb auch sehr stark im emotionalen Bereich: Ich bin wieder beteiligt. Das gab mir Hoffnung und Zuversicht.

Inwiefern können Sie das Retina Implantat empfehlen?

Der Chip ist vergleichbar mit einer Partnerschaft. Wenn ich nur passiv bin und erwarte, dass der Chip Wunder bewirkt und alle Probleme löst, dann funktioniert es nicht. Es geht um die Bereitschaft, damit umzugehen. Daraus entsteht Aktivität und schließlich auch der persönliche Nutzen. Ich kann das Implantat also jedem empfehlen, der sich vernünftig und umfassend informiert und realistische Erwartungen an sich und das Implantat mitbringt.