Wie hat sich der Krankheitsverlauf bei Ihnen geäußert?

Die ersten Symptome hatte ich mit ca. 14 Jahren. Keiner konnte sie richtig deuten. Im Sportunterricht hatte ich bei Ballspielen immer Probleme einen Ball zu fangen. Damals konnte ich mir nicht wirklich erklären, warum das so ist und dachte mir in dem Alter einfach, ich sei nicht in der Lage Fußball zu spielen. Keiner dachte, dass dahinter eine ernsthafte Augenerkrankung stecken könnte.
Richtig aufgefallen ist es, als ich den Führerschein hatte. Ich hatte Probleme in der Nacht bei nassem Asphalt zu fahren. Das Streulicht verdeckte den Mittelstreifen und auch entgegenkommende Autos. Wenig später tauchten die ersten Blendungen bei Tageslicht auf. Die Augen begannen in der Sonne zu tränen. Es war so unangenehm, dass ich den Blick abwenden musste.
Im Fernseher sah ich einen Bericht über Augenkrankheiten. Dort wurde auch gezeigt, wie sich bei Retinitis pigmentosa das Gesichtsfeld einschränkt. Ich bin richtig erschrocken und hab gleich gehofft, dass ich das nicht habe. Diagnostiziert wurde ich mit Anfang zwanzig. Da fiel ich erstmal in ein Loch, weil es keine Perspektive gab. Ich musste vieles Aufgeben: meinen Beruf als Elektriker, sportliche Aktivitäten, meine Malerei. 

Warum fiel die Wahl auf das Retina Implantat?

Bekannte hörten im Radio Werbung zu Netzhautimplantaten. Wir haben daraufhin im Internet recherchiert wir stießen auf das RETINA IMPLANT Alpha AMS.
Mich sprach an, dass es nur in ein Auge implantiert wird und dass ich es abnehmen könnte, wenn ich es nicht im Gebrauch habe. Es benötigte keine externen Komponenten. Das machte einen viel bequemeren Eindruck. Wir haben uns bundesweit informiert, welche Kliniken den Eingriff machen.

Wie verlief die Implantation und die Zeit danach?

Den Eingriff habe ich als anstrengend empfunden. Die ersten zwei Tage danach fühlte ich mich mit dem Verband um den Kopf hilflos. Und dann ist es passiert! Als der Verband abgenommen wurde, konnte ich plötzlich auch auf dem nicht-implantierten Auge wieder Licht wahrnehmen. Zuvor war es faktisch funktionslos. Ich habe zwei Deckenleuchten wie zwei Scheinwerferlichter wahrgenommen. Beide Augen haben sich inzwischen stetig verbessert. Ich find’s super.

Was hat das Implantat bei Ihnen bewirkt?

Ich lebe jetzt viel stressfreier. Ich habe jahrelang ausprobiert und viel Geld ausgegeben, um die Krankheit hinauszuzögern. Ständig habe ich mich mit der Suche nach einer Therapie beschäftigt. Das Implantat war das letzte, was ich probiere wollte. Ich wollte nicht irgendwann dastehen und sagen, ich habe eine Chance gehabt und sie verpasst. Es war wie eine Ziellinie.
Die Implantation ist bei mir mental gesehen eine Befreiung. Ich kann wieder Sachen genießen. Vorher habe ich immer auf die Dinge geschaut, die ich nicht mehr kann. Jetzt konzentriere ich mich auf die Dinge, die ich kann. Das sind bei weitem mehr.
Natürlich habe ich mir mehr vom Implantat erhofft. Das tut jeder. Aber ich lerne mit dem Implantat umzugehen. Es ist faktisch da und unterstützt mich. Das ist schon mal ganz schön viel. Und wenn man sieht, was ich damit anfangen kann, dann das ist nicht wenig. 

Inwiefern können Sie das Retina Implantat empfehlen?

Die Entscheidung muss in jedem selber reifen. Die Meinung der Freunde hilft in der Regel wenig, suggeriert mitunter sogar, man werde die Erkrankung los. Das lässt sich nicht verwirklichen.
Ich begreife das Implantat als eine Chance, eine Verbesserung zu erzielen im Vergleich dazu gar nichts mehr zu sehen. Es ist wie ein kleines Fenster aufzumachen, durch das ein Sonnenstrahl fällt. Aber dafür muss man sich mit dem Implantat und dem Training befassen. Im wortwörtlichen Sinne hat das Implantat mit Sehen nichts zu tun. Es ist vielmehr ein Interpretieren neuer Signale, die aber erst durch das Implantat wahrgenommen werden können.